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Wuhdener Heimatverein e. V. Wuhden · Gemeinde Podelzig

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Aus der Chronik · 1737–1945

Die Wuhdener Schule

Zweihundert Jahre lang wurde in Wuhden unterrichtet — erst beim Schulmeister, der nebenher schneiderte, ab 1837 in einem eigenen Haus nördlich des Friedhofs. Zehn Lehrer sind namentlich bekannt; einer von ihnen war sechzig Jahre im Amt. 1945 wurde die Schule bis auf die Grundmauern zerstört.

Mädchen mit Zuckertüte vor dem Schulhaus von Wuhden
Das Schulhaus von 1837, davor Käte Heckendorf.

Ab wann in Wuhden Schule gehalten wurde, ist nicht mehr festzustellen. Sicher ist der Anfang 1737: Das Einwohnerverzeichnis des Domänenamts Lebus führt in diesem Jahr unter den Wuhdener BüdnerDorfbewohner, dem nur eine „Bude“ gehörte — ein kleines Haus mit Garten, aber kaum Acker. Die Büdner lebten als Handwerker oder Tagelöhner. „Michel Ebel der Schulmeister“. Vom Unterricht allein konnte er nicht leben — wie sein Sohn und dessen Nachfolger betrieb er ein Gewerbe nebenher und schneiderte.

Die Kinder aus Klessin wurden bis ins 19. Jahrhundert in ihren Büdnerhäusern unterrichtet; später gingen sie mit nach Wuhden. Heute sind beide Dörfer nach Podelzig eingeschult.

Zehn Lehrer in zweihundert Jahren

ab 1737
Michel Ebel Schulmeister und Büdner, Schneider nebenher
1743
Jacob Ebel wohl sein Sohn
1749
Gottfried Zimmermann
1773–1812
Martin Lange Schneider, 39 Jahre im Amt
1812–1872
Gottfried Lange sein Sohn — 60 Jahre im Amt
1872–1880
mehrere Lehrer in rascher Folge
1880–1897
Wilhelm Neumann aus Streichwitz in der Niederlausitz
1897–1902
Gustav Bullack
1902–1937
Max Schulz aus Booßen, 35 Jahre im Amt
1937–1945
Berthold Miekley aus Alt-Tucheband

Sechzig Jahre: Gottfried Lange

Gottfried Lange wurde 1789 in Wuhden geboren, vom Vater auf den Beruf vorbereitet und ging ein gutes Jahr beim Dolgeliner Lehrer Friedrich Heidke „in die Lehre“. Am 10. Oktober 1812 wurde er seinem Vater als Gehilfe beigeordnet. Ein Lehrerseminar hat er nie besucht.

Er war der erste Wuhdener Lehrer, der kein Gewerbe nebenher betrieb — Vater und Großvater waren Schneider gewesen. Sechzig Jahre lang hat er die Kinder des Dorfes unterrichtet.

Das Schulhaus

Erst 1836 begann der Bau eines eigenen Schulhauses, auf dem heute freien Platz nördlich des Friedhofs. Die Schulgemeinde Wuhden/Klessin brachte 979 Taler auf und bekam von der Königlichen Regierung 400 Taler als Gnadengeschenk dazu.

Das 1837 fertige Gebäude war ein strohgedecktes, gelehmtes Fachwerkhaus von 14,50 m Länge und 9,42 m Breite. Neben dem Unterrichtsraum von 5,25 × 8,84 m lag die Lehrerwohnung aus Stube, Schlafkammer und Küche. 1881 wurde das Haus massiv unterfangen, um zwei Meter verlängert und mit Ziegeln gedeckt.

Aus den Schulrevisionen

Die Berichte der SuperintendentDer leitende Geistliche eines Kirchenkreises. Im 19. Jahrhundert führte er zugleich die Aufsicht über die Dorfschulen und schrieb die Revisionsberichte. lesen sich wie kleine Charakterstudien — ein Jahr antippen.

1846 78 Kinder in einem Raum
Die Bänke „stehen so eng beieinander, daß die Kinder sich während des Unterrichts nicht erheben können.“

Lange unterrichtet 78 Kinder gleichzeitig in vier Abteilungen. Beanstandet wird vor allem der Kirchengesang: die Kinder würden nicht angeleitet, mit gedämpfter Stimme zu singen.

1853 Ein Landschullehrer von altem Schrot und Korn
„Er ist klar und weiß das, was er selber weiß, den Kindern beizubringen … Er leistet, was er kann.“

Der Bericht hält fest, Lange werde seine Schule nicht auf den Stand heben, der jetzt verlangt werde — er gereiche den Kindern aber mehr zum Segen als zum Schaden.

1857 Groß, kräftig — und schwer zu verstehen
„Ein Schulmeister nach dem alten Schlage, groß und kräftig, mit würdiger Amtsmiene, sehr lebendig, mit gutmütig gewaltiger Stimme, mit welcher er, da ihm schon viele Zähne fehlen, für mich oft unverständliche Worte sprach.“

Lange ist 68 Jahre alt. Der Superintendent hält trotzdem fest: „In der Orthographie ist er zwar nicht ganz sicher, aber ein tüchtiger Lehrer ist er doch.“

1860 Die Inspektion fällt ungünstig aus
„Der alte sonst wackere Lehrer Lange scheint doch nun zu stumpf geworden zu sein, um sein Amt gehörig verwalten zu können.“

28 Knaben und 39 Mädchen unter einem Siebzigjährigen. Der Superintendent schlägt die Versetzung in den Ruhestand vor.

1862 Fünfzig Jahre im Dienst

Am 10. Oktober überreicht Prediger Marcel dem Jubilar das von König Wilhelm I. verliehene „Allgemeine Ehrenzeichen mit der Zahl 50“.

1866 Noch einmal frisch
„Der alte Lehrer Lange hat einen neuen Anlauf genommen und zeigte sich frisch wie ein Jüngling. Auch waren die Leistungen der Kinder besser als vor 2 Jahren.“

Sechs Jahre nach dem vernichtenden Bericht.

1872 Der Abschied

Im Mai bittet Lange selbst um den Ruhestand. Die Gemeinde bewilligt ihrem Lehrer 100 Taler jährlich; zum 1. Oktober scheidet er aus dem Amt. Ende Oktober 1874 ist er gestorben.

Neumann, Bullack, Schulz

Wilhelm Neumann war bei den Schülern beliebt; unter ihm bekamen die Mädchen Handarbeitsunterricht, den seine Frau erteilte. Mitte der neunziger Jahre erkrankte er schwer — der Kreisschulinspektor schrieb 1897, die Schule sei in einem sehr schlimmen Zustand und der Lehrer „eine völlige Ruine an Leib und Seele“. Neumann starb am 3. Juni 1897 mit 43 Jahren.

Gustav Bullack übernahm ein schweres Amt und ging nach fünf Jahren nach Oberlindow. Max Schulz aus Booßen blieb 35 Jahre und hat — wie vor ihm Gottfried Lange — Generationen von Wuhdener und Klessiner Kindern unterrichtet.

Ein Schultag im Jahr 1909

58 Kinder35 aus Wuhden, 23 aus Klessin — in einer Klasse, zwei Abteilungen
7 bis 12 Uhrim Sommer Mittel- und Oberstufe von 7–10, die Unterstufe von 10–12 Uhr; im Winter alle zusammen von 8–12 Uhr
6 FächerReligion, Schreiben, Aufsatz, Rechtschreibung, Rechnen und Gesang
1 Globusdazu 2 Wandtafeln, 7 Landkarten, 7 Anschauungsbilder und 1 Katheder
Reck und Barrenauf dem Turnplatz — dort steht heute das Klubhaus des Heimatvereins

1907 hatten die Gemeinden Wuhden und Klessin und das Gut Klessin den Gesamtschulverband Wuhden-Klessin gebildet. Zum Lehrergehalt gehörten zwei Stallgebäude, eine Scheune, ein Garten und 2,40 ha Acker am Sandberg, die der Lehrer verpachtet hatte.

Der letzte Schultag, Ende Januar 1945

Der zwölfjährige Siegbert Lindow saß im Unterricht, als aus der Ferne schon Gefechtslärm herüberkam:

„Da hab ich den Lehrer gefragt: ‚Herr Miekley, sind det schon die Russen?‘ Da habe ich ein Kopfstück gekriegt, das werde ich nie vergessen … Kurz danach klopfte es aber an die Klassentür, und da kamen zwei Soldaten rein und mußte einrücken zur Armee.“

Es war der letzte Schultag. In den wochenlangen Kämpfen um Wuhden wurde die Schule bis auf die Grundmauern zerstört; die Reste hat man später abgetragen. Der Platz nördlich des Friedhofs ist bis heute frei.

Aufgeschrieben in der Chronik Wuhden 1252–2002, S. 39–44. Wörtlich zitiert sind die Schulrevisionsberichte des 19. Jahrhunderts und das aufgezeichnete Gespräch mit Siegbert Lindow.