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Wuhdener Heimatverein e. V. Wuhden · Gemeinde Podelzig
Luftaufnahme von Wuhden
Geschichte

774 Jahre Wuhden

1252
Erste urkundliche Erwähnung
In einem Vergleich zwischen dem Magdeburger Erzbischof und dem Lebuser Bischof über den ZehntAbgabe an Kirche oder Grundherrn: ungefähr der zehnte Teil des Ertrags. Wem sie zustand, war oft strittig — dieser Streit brachte Wuhden 1252 in die erste Urkunde. tauchen Wuhden und Seelow erstmals auf — damals als „Bodin“, ab 1317 als „Wodyn“. Der Name wird zweifach gedeutet: als Ort eines Mannes namens Bodin oder als „am Wasser gelegen“ (woda = Wasser).1
1631
Das Dorf brennt nieder
Im Dreißigjährigen Krieg brennt Wuhden nieder. Eine Aufstellung von 1633/34 führt die 16 HufeAltes Maß für Ackerland: so viel, wie eine Bauernfamilie bestellen und wovon sie leben konnte. Wie groß eine Hufe war, schwankte von Ort zu Ort. Wuhden hatte über Jahrhunderte 16 davon. der Bauern und die neun Kossätenhöfe als 1631 „gänzlich eingeäschert“. Aufgegeben wird das Dorf trotzdem nicht: 1654 stehen die Höfe wieder in den Listen, dazu ein KrügerDer Wirt des Dorfkrugs, wie die Gastwirtschaft im Dorf hieß. In Wuhden war er zugleich Kossät — vom Ausschank allein lebte hier niemand., ein HirteVom Dorf angestellt: Er trieb das Vieh aller Höfe gemeinsam auf die Weide. Wuhden hielt sich daneben einen Pferdewächter, einen Nachtwächter und einen Feldhüter. und ein Schmied.2
1737
Ein Dorf von Bauern und Kossäten
Das Einwohnerverzeichnis zählt 6 Bauern, 9 KossätKleinbauer, dem Haus, Garten und ein wenig Land gehörten — zu wenig für ein eigenes Gespann. Er verdingte sich bei den Bauern oder lebte vom Handwerk. und 6 BüdnerDorfbewohner, dem nur eine „Bude“ gehörte — ein kleines Haus mit Garten, aber kaum Acker. Die Büdner lebten als Handwerker oder Tagelöhner.. Wuhden bleibt über Jahrhunderte klein — den Höchststand bringt das Jahr 1885 mit 308 Einwohnern — und ein Dorf ohne RittergutAdliger Gutshof mit besonderen Rechten über das Dorf, bis hin zur eigenen Gerichtsbarkeit. Wuhden hatte keines — hier saßen nur Bauernfamilien..12
1890
Das größte Gut gehört Bauern
Der größte Betrieb im Dorf ist ein Bauernhof. 1890 ist das Gut von Martin Tietz einer wissenschaftlichen Fachzeitschrift eine eigene Wirtschaftsbeschreibung wert; um 1900 führen die Güter-Adressbücher es als RustikalgutGut in Bauernhand: so groß wie ein Herrensitz, aber aus Bauernland zusammengewachsen — und ohne die Sonderrechte, die ein Rittergut mitbrachte. mit 57 Hektar. 1914 und noch 1929 sind es zwei Höfe der Familie: Emil und Martin Tietz mit je 57 Hektar — die größten Bauernwirtschaften des Dorfes, neben denen der Familien Jahn und Sydow.1
1919
Ein Gut und eine Villa
Der Offizier Elhard von Morozowicz beginnt in Wuhden mit dem Aufbau eines Gutes und lässt eine Villa errichten — 1923 sind es 90, 1929 dann 125 Hektar, betrieben als Versuchsgut. Morozowicz war Landesführer des Stahlhelm„Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten“ — der größte Wehrverband der Weimarer Republik, deutschnational und republikfeindlich. 1933/34 in die SA überführt. in Brandenburg, später SA-Gruppenführer und Reichstagsabgeordneter; er starb 1934 nach einem Autounfall.1
1943
Eine Berliner Mädchenklasse in der Villa
In der Villa werden Schülerinnen aus Berlin-Lichtenberg untergebracht. Zur KinderlandverschickungAb 1940 wurden Schulklassen aus bombengefährdeten Städten aufs Land verlegt — in Lager, Heime und Gutshäuser, oft für Monate ohne die Eltern. waren sie zuvor nach Neu-Galow in der Schorfheide geschickt worden — beim britischen Luftangriff auf das dortige Schloss am 18. November 1943 starben 22 Menschen, zwölf davon Mädchen der Klassen. Die Überlebenden bleiben bis 1945 in Wuhden.1
1945
Zerstörung an der Oderfront
Im Februar und März 1945 wird um Wuhden wochenlang gekämpft, der Ort fast vollständig zerstört — ebenso wie das benachbarte Klessin, das nie wieder aufgebaut wurde. Wuhden dagegen entsteht neu.1
1946
Neubauern auf aufgeteiltem Land
Der Ort gilt als vorübergehend unbewohnbar; von 195 Einwohnern im Jahr 1939 sind 110 geblieben. In der BodenreformAb September 1945 wurde in der sowjetischen Besatzungszone Grundbesitz über 100 Hektar entschädigungslos enteignet und an Landlose verteilt. wird das Gut enteignet — zusammen mit Waldflächen der Nachbargemeinden werden 179,6 Hektar neu verteilt: 66,2 Hektar an sieben NeubauerWer in der Bodenreform Land bekam: Landarbeiter, Vertriebene und Kleinbauern. Sie mussten Hof und Wirtschaft meist von Grund auf neu aufbauen., 2,7 Hektar an zwei Handwerker, 14 Hektar Wald an die Gemeinde.2
1950
Das Dorf wird geteilt
Wuhden hört als eigene Gemeinde auf: Das Oberdorf kommt zu Podelzig, das Unterdorf mit den Wuhdener Loosen zu Reitwein. Ab 1952 gehört der Ort zum Kreis Seelow im Bezirk Frankfurt (Oder).2
1960
Die Felder kommen in die Genossenschaft
Schon 1952 gründen fünf Podelziger die erste LPGLandwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft — der Zusammenschluss der Höfe zu einem gemeinsamen Betrieb. Bis 1960 war in der DDR fast das ganze Land erfasst. mit 43 Hektar. 1960 ist die Landwirtschaft ringsum genossenschaftlich organisiert — Wuhdens Feldflur wird von da an unter Podelzig und Reitwein geführt.2
1967
Der Zeisigberg kommt unter Schutz
Die Anordnung Nr. 3 über Naturschutzgebiete vom 11. September 1967 stellt den „Zeisigberg bei Wuhden“ unter Naturschutz — damals ein eigenes kleines Schutzgebiet, seit 2017 Teil des großen Naturschutzgebiets auf dem Reitweiner SpornDer Höhenzug über dem Odertal zwischen Reitwein und Podelzig, der wie ein Sporn aus der Hochfläche vorspringt. Oben darauf liegt Wuhden..3
1989
Neuer Schwung nach der Wende
Das Dorf erlebt einen besonderen Schub: Häuser werden saniert, die Infrastruktur wächst — Wuhden wird der kleine, liebenswerte Ort in grüner Umgebung, der er heute ist.4
1996
Gründung des Heimatvereins
Am 1. März 1996 gründen engagierte Wuhdener den Heimatverein. Seiner Initiative ist der Erhalt des jahrhundertealten Friedhofs zu verdanken — bis heute gepflegt von Vereinsmitgliedern und Bürgern.4
2002
750 Jahre Wuhden — und das erste Bergfest
Zum Jubiläum gibt der Heimatverein die Chronik „Wuhden 1252–2002“ heraus — 53 Seiten Dorfgeschichte aus erster Hand. Im selben Jahr feiert das Dorf sein erstes Bergfest, das seither jedes Jahr stattfindet.14
2024
Kulturerbe-Ort Schloss Klessin
Auf dem Gelände des zerstörten Gutes Klessin baut der Heimatverein mit vielen Helfern, Partnern und Förderern in jahrelanger ehrenamtlicher Arbeit die Gedenk- und Erinnerungsstätte „Kriegsschauplatz Schloss Klessin“ auf. Am 8. Mai 2024 erhält sie die Kulturerbe-Plakette des Landes Brandenburg als Kulturerbe-Ort im Netzwerk OderbruchDie weite Niederung der Oder unterhalb des Sporns. Ab 1747 unter Friedrich II. trockengelegt und seither eine der fruchtbarsten Ackerlandschaften Brandenburgs..45
Heute
70 Einwohner, ein Verein, viel vor
Wuhden liegt hoch über der Oder auf dem Reitweiner Sporn, mit dem Naturschutzgebiet Zeisigberg vor der Haustür. Der Heimatverein hält Geschichte und Dorfleben lebendig.4
Quellenangaben
  1. Wikipedia — Artikel Wuhden, Elhard von Morozowicz und Neu-Galow, mit den dort nachgewiesenen Quellen — darunter Niekammer’s Güter-Adressbücher, Band VII (1907–1929), J. Schneider: Bauerngut von Martin Tietz in Wuhden im Kreise Lebus, in: Landwirthschaftliche Jahrbücher Bd. 19 (1890), S. 720 ff., und Günther Ballentin (Hrsg.): …angeordnet: Schweigen. Das Ende einer Mädchenklasse. Zützen 1995.
  2. Ortslexikon — Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg, Teil VII: Lebus. Reprint 2012 — Wuhden S. 460 f., Podelzig S. 353 f., Reitwein S. 368 f.
  3. Naturschutzrecht — Anordnung Nr. 3 über Naturschutzgebiete vom 11. September 1967 (Gesetzblatt der DDR II Nr. 95), abgelöst durch die Verordnung über das Naturschutzgebiet „Reitweiner Sporn mit Priesterschlucht, Mühlen- und Zeisigberg“ vom 15. März 2017.
  4. Heimatverein — Eigene Angaben des Wuhdener Heimatvereins zu Vereinsleben, Bergfest und heutiger Einwohnerzahl.
  5. Land Brandenburg — Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Pressemitteilung vom 8. Mai 2024: Kulturerbe-Plakette für die Gedenkstätte Schloss Klessin.
„Uns Lebenden zur Mahnung“

Kriegsgräberstätte Wuhden

Auf dem Bergfriedhof ruht eine der drei ZubettungsstätteKriegsgräberstätte, auf der Gefallene beigesetzt werden, die anderswo geborgen wurden — sie werden hierher „zugebettet“. In Brandenburg gibt es drei davon. für gefallene deutsche Soldaten in Brandenburg. Der Erhalt von Kriegsgräbern ist eine im Grundgesetz verankerte Aufgabe — die Pflege dieses stillen Ortes hat unser Verein übernommen.

Wer mehr über die Kämpfe im Frühjahr 1945 erfahren möchte, findet alles auf der Webseite unseres Gedenkort-Projekts: Kriegsschauplatz Schloss Klessin ↗

Kriegsgräberstätte Wuhden